So wars: »Und alle so: Yeaahh!«-Flashmob in Wuppertal (Teil 2)
Dieser Flashmob polarisiert; dieser Flashmob ist kontrovers: »Und alle so Yeaahh«. Unpolitisch? Politisch? Satire oder sinnlose Störung?
Für viele, und für mich am Anfang auch, war der Flashmob eine reine Spaß-Aktion, denn viele verstehen Flashmobs, so wie ich anfangs, eben als reine Spaß-Aktionen. Aber ein Flashmob muss nicht reiner inhaltsleerer Spaß sein, ein Flashmob kann auch dazu genutzt werden, um politisch Aktiv zu werden; Flashmobs können ebenfalls eine Demonstration oder eine Form des Protests sein.
Zumal ein Flashmob, der eine Wahlkampfveranstaltung persifliert oder stört, wie der »Und alles so: Yeaahh«-Flashmob, nicht unpolitisch sein kann. Ich und viele andere, wie die Jusos und die Grüne Jugend aus Wuppertal, haben sich dem Flashmob angeschlossen, um Frau Merkel ihre leeren, blasphemischen Phrasen vorzuhalten.
Ich fand es übrigens sehr schade, im Gegensatz zu anderen, dass nicht mehr »Yeaahh« in den Sätzen gerufen wurde, denn so wären die falschen Aussagen und leeren Phrasen noch besser entlarvt worden, statt am Ende ihrer Sätze, bei denen man die »Yeaahh«-Rufe zum Teil auch falsch als Zustimmung verstehen könnte: »… 3 Millionen Arbeitslose …« – »YEAAHH!«, »… 5 Millionen Arbeitslose …« – »YEAAHH!«. Herrlich sarkastisch.
Angela Merkel wand sich gestern in einem Satz an uns Flashmob-Teilnehmer, die sie mittlerweile auch ihre »Freunde aus dem Internet« nannte:
Die jungen Leute sollten einfach bisschen besser zuhören, könnten sie was für’s Leben lernen.
und @chaosblack kommentierte dies auf twitter so passend:
Merkel zu #uasy “die jungen Leute könnten auch zuhören, könnten sie was lernen” – man merke, junge Menschen engagieren sich eher gegen #cdu-
Und an dem ist, meiner Meinung nach, einiges dran, denn mit den meisten mit denen ich mich auf dem Flashmob unterhalten habe, waren aus politischen Gründen auf dem Flashmob oder haben einen politischen Hintergrund. Sprich: Sie haben bereits etwas gelernt; sie haben sich mit der derzeitige Situation auseinander gesetzt und ihre Schlüsse daraus gezogen. Daraus haben sie erkannt, dass die Ziele der CDU nicht die sind, die Deutschland voranbringt, die die soziale Ungerechtigkeit aufhebt und ihrer Generation, die auch meine ist, eine gute Perspektive bietet.
Aber zu Beginn des Auftritts, so war jeden Falls mein Eindruck, »spielte« Angela Merkel mit den Zuschauern und den Flashmob-Teilnehmern. Sie freue sich, dass in Wuppertal, dieser schönen Stadt, so viele Menschen zusammen gekommen sind. Mit dieser Aussage hatte sie das Publikum und die »Yeaahh«-Rufe auf ihrer Seite, denn der Lokal-Patriotismus in Wuppertal ist nun mal recht groß.
Allerdings verspielte sie, auf jeden Fall für mich, diese Sympathie-Punkte direkt wieder, in dem sie, meiner Meinung nach, einer der besten Politiker Deutschlands zitierte, der auch ein Sohn der Stadt Wuppertal ist, allerdings nicht zu Fraktion von Frau Merkel gehört: Johannes Rau (SPD). Sie zitierte seien Aussage, dass »Wuppertal der Bindestrich Nordrhein-Westfalens« sei. Es wirkt recht bizarr, wenn Merkel versucht Sympathie mit der Aussage eines politischen Gegners zu gewinnen.
Aber zurück zum eigentlichen Flashmob. Über den, bzw. das Phänomen, »Und alle so: Yeaahh«-Flashmob gab es gestern einen interessanten Bericht gefolgt von einem noch interessanteren Kommentar bei den Tagesthemen:
Ob dieser Flashmob sinnvoll war oder nicht. Ob dies eine gute Form des Protests war oder nicht. Dies sei einmal dahingestellt, aber er ist nun einmal so spontan entstanden und hat nun etwas geschafft, was bis dahin so nicht geschafft wurde: Die Netz-Gemeinde hat Aufmerksamkeit in den etablierten Medien und es wird auch für die Menschen, die nicht so selbstverständlich mit dem Internet umgehen, immer deutlicher, dass im Internet eine Generation ist, denen Politik nicht egal ist, die aber den Eindruck haben, dass der Politik bzw. den Politikern das Internet recht egal ist oder es schlimmstenfalls eine durch Unverständnis als Gefahr auffassen.
Aber ich sehe in dem Flashmob auch noch eine andere, kleine Entwicklung, von der ich hoffe, dass sie weiter zunimmt: Junge Leute gehen wieder auf die Straße, um auf eine – bisher ungewöhnliche Art – zu demonstrieren. Vielleicht, so meine Hoffnung, entwickelt sich ja daraus eine neue Protest-Kultur. Ich denke, dass könnte den Politikern, der Demokratie und Deutschland gut tun: Die abgehobenen Politiker wieder in die Realität zurückholen, dass das Volk nicht alles mit sich machen lässt; die Demokratie stärken; und dadurch Deutschland voran bringen.

