Gedanken zum Mittwoch, den 11. März 2009
Wir sollten unsere Ratlosigkeit nicht zu überspielen versuchen mit scheinbar nahe liegenden Erklärungen. Wir sollten uns eingestehen: Wir verstehen diese Tat nicht.
Dies sagte der damalige Bundespräsident Johannes Rau im Jahre 2002 in der Rede nach dem Amoklauf in Erfurt.
Gestern war ein heftiger Tag! Mein Mitgefühl und mein Mitleid gilt den Opfer und den Angehörigen des gestrigen Amoklaufes in Winnenden und Wendlingen in Baden-Würtemberg.
Es ist viel passiert. Die Ereignisse haben sich überschlagen. Ebenso die Medien. Ich habe viel darüber gelesen, gesehen und geredet; viel mehr als beiden den anderen beiden Amokläufen an Schulen die in diesem jungen Jahrtausend Deutschland erschüttert haben. Es liegt zum größten Teil daran, dass ich dieses mal viel mehr mitbekommen habe; ich näher an den Medien (und dabei gerade Berichterstattung über Internet) dran war diese intensiver genutzt habe. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie am Tag nach dem Amoklauf in Erfurt meine damalige Englischlehrerin in unsere Klasse kam und uns wortlos P.O.D. – Youth Of The Nation vorgespielt hat. Denn die erste Strophe dieses Stücks dreht sich genau um das, was auch gestern passiert ist und was jemanden dazu bewegt – und wie wir alle irgendwie darin hängen …
Was mich persönlich zudem wiedereinmal (leider!) schockiert ist die Art, wie die Medien auf diese Tragödie aufgenommen und – so hart, krass und gefühllos es klingen mag – verwurstet habt. Ich habe nur die Entwicklung auf Spiegel Online verfolgt und selbst das war eigentlich mehr als ich hätte wissen wollen: Stündlich neue Berichte, Fotos, Meinungen, Ursachenanalyse. Und genau auf den letzten Punkt bezieht sich mein Eingangszitat: Es ist viel zu früh zu mutmaßen, was den Amokläufer zu dieser Tat bewogen hat und Forderungen bzw. Maßnahmen zu fordern! Ob es nun die Waffen, die Computer-Spiele oder die Filme waren, sei einmal dahingestellt; vieles sind Faktoren, die als Multiplikator in dienen, aber niemals als Auslöser alleine. Die Probleme rühren tiefer, in unserer Gesellschaft. Und die Art wie die Medien darüber berichten, hält uns ganz klar den Spiegel vor: Das ist unsere Gesellschaft und was will sie sehen. Es war kurz und meiner Meinung nach noch viel zu nett ausgedrückt: Pervers!
Heute morgen fragte im Radio ein Moderator einen kriminalistischen Wissenschaftler:
Nach Emsdetten wollten die meisten Opfer nicht mit den Medien reden sondern einfach nur in Ruhe gelassen werden. Warum war das so?
Auch wenn mich keine (direkte) Schuld trifft, als Mitglied der Gesellschaft trifft mich dennoch eine Teilschuld: Es tut mir leid! Allen Opfern und Angehörigen gilt mein Mitleid und mein Mitgefühl. Ich euch viel Kraft und viel, viel Hoffnung!