[ Direkt zum Inhalt springen ]


Billig will ich … nicht!

Ich habe gerade im WDR eine heftige Reportage von Günter Wallraff gesehen: Der Discounter Lidl verkauft den 10er-Pack Aufback-Brötchen zum Preis von 1,05 €(!) und, nach dem Wallraff einen Tipp bekommen hat, sieht sich die Produktion an …

Günter Wallraff, der Undercover-Journalist, der bei BILD Hans Esser war und als Türke Ali das Leben “ganz unten” kennenlernte, hat sich diesmal das Thema “Billigproduktion für Großdiscounter” vorgenommen. Unter anderer Identität heuerte er bei einer Großbäckerei im Rheinland an, die für die Großmarktkette Lidl produziert, und dokumentierte seine Arbeitsbedingungen mit versteckter Kamera. Vier Wochen lang schuftete er in Tag- und Nachtschichten für einen Stundenlohn von 7,66 Euro brutto bei Temperaturen von bis zu 50 Grad, verbrannte sich die Arme an heißen Backblechen, entdeckte unfallträchtige Sicherheitsmängel an den Transportbändern und dokumentierte Schimmelbildung an Wänden, Decken und Maschinen. Seine Kollegen klagten über nicht bezahlte Krankheits- und Feiertage und über als willkürlich empfundene Abmahnungen und Kündigungen.

Wallraffs Fazit: wer billig verkauft, muss auch billig produzieren. Häufig auf Kosten von Arbeitnehmerrechten. Damit wird nicht nur Lidl-Aufsichtsratschef Gehrig in der Reportage konfrontiert, sondern es berührt eine Frage, die sich auch alle Kunden von Großdiscountern stellen müssen.

(Quelle: Programmtext des WDR)

Die Bezeichnung «unfallträchtige Sicherheitsmängel an den Transportbändern» im Programmtext halte ich für eine glatte Untertreibung (was man einem Programmtext verzeihen kann, da er ja neugierig machen und nicht den kompletten Inhalt wieder geben soll): Die Maschinen werden, entgegen den Vorschriften, ohne Pause in Betrieb gelassen; die Mitarbeiter müssen die Maschinen im laufendem Betrieb reinigen und z.T. auch reparieren! Um dies möglich zu machen, wurden Sicherheitsklappen entfernt und Schutzschalter überbrückt!
Wenn die Panzerkette des Transportbandes raus springt – was anscheint nicht selten passiert – setzen die Mitarbeiten die Panzerkette wieder im laufenden Betrieb ein, um nicht in Verzug zu geraten! Dabei kommt es vor, dass ein Mitarbeiter beim reingreifen mit seinem Kittel hängen bleibt – wenn die Hand mit in die Räder kommt, kann es einem den Arm abreißen!
Und eine Einweisung, wo sich der Not-Aus-Schalter befindet, findet nicht statt …

In einem Raum neben der Produktionsstraße wuchert der Schwarz-Schimmel fast Zentimeter dick über alle Wände und die Decke … ein Anblick, der einem selbst durch eine kleine versteckte Kamera, den Magen umdreht! Als allerdings die Gewerkschaftsaufsicht an einem Tag im Verlaufe der Reportage die Großbäckerei aufsucht, ist vom Schimmel keine Spur mehr – dieser wurde ein paar Tage zuvor entfernt …

Mir hat sich beim ansehen dieser Reportage wirklich der Magen umgedreht, ich hatte Angst meinen Arm zu verlieren und der Appetit ist mir alles im allen auf jeden Fall vergangen!
Nun weiß ich auf jeden Fall was ich nicht mehr kaufen werde: Zum einen weil ich diese Art der Produktion nicht weiter unterstützen möchte und zum anderen weil ich Angst um meine Gesundheit haben muss, wenn ich Brötchen essen muss, die wahrscheinlich hochgradig mit Schimmelsporen belastet sind.
An dieser Stelle kann man eigentlich nur nochmal den letzten Absatz des Programmtextes hervorheben:

Wallraffs Fazit: wer billig verkauft, muss auch billig produzieren. Häufig auf Kosten von Arbeitnehmerrechten. Damit wird nicht nur Lidl-Aufsichtsratschef Gehrig in der Reportage konfrontiert, sondern es berührt eine Frage, die sich auch alle Kunden von Großdiscountern stellen müssen.

(Fette Hervorhebung von mir!)

Und in diesem Fall handelte es sich «nur» um Aufback-Brötchen … Na, ist Geiz immer noch geil?

Schreib was …